Sibirische Kälte

Februar 4th, 2012

Es hat jetzt fünfzehn unter Null, vielleicht noch mehr,
Will sagen weniger, verdammt, es ist so kalt.
Doch leider habe ich kein Fell wie so ein Bär
Am Nordpol, nein, ich bin von trauriger Gestalt,
Ein Mensch, dem die Antennen schrumpfen bei dem Frost,
Der hier und jetzt Diktator spielt, damit wir leiden.
Ich fühle mich fast wie ein Haufen Frischkompost,
Und Kälte-Käfer fressen an den Eingeweiden.

Die Mühle

Januar 29th, 2012

Stein hab ich auf Stein
Gelegt seit Anbeginn jetzt
Steht in mir der Turm

Von Efeu umrankt
In dem der Wind raschelt und
Wolken verweilen

Ein gläserner Sarg
Von dunkler Erde bedrängt
Ist das Fundament

Oft schau ich hinab
Von der Spitze auf das Rad
Im Fluß die Wellen

Drehen es vorwärts
Wie Wasser das weiter fließt
Und doch immer bleibt

Pissoir

Januar 28th, 2012

Den Anfang machen stur und steif Gerüche
Das Zückfeld spreizen Porzellankokotten
Am Spülrand hausen Steh-Greif-Hottentotten
Die Wände tragen schwer obszöne Sprüche

Hier rüttelt mann das Ding bis es entleert
Und schamlos wird des Nachbarn Scham begafft
Vom Spiegel blinzelt trüb die Körperhaft
Im Rinnstein läuft das Leben ungeklärt

Manch Bengel streikt und treibt den Herrn zur Wut
Manch einer spritzt freihand auf fremdes Bein
Gar viele fühlen sich zu kurz und klein
Am Boden Staub auf den Bestecken Blut

Ein Mageninhalt stürzt sich ins Geschehen
Ein Suchstrahl findet seinen Bräutigam
In Ruh und Schweigen harrt der saure Damm
Indes nach hinten blaue Winde gehen

Brücken und Kronen

Januar 22nd, 2012

Das Herz verrutscht beim Peitschen der Systolen
Im Magen kreiselt Furcht und rennt und rennt
Am Gaumen Schotter der wie Schwefel brennt
Am Boden Schmelzgesindel Fleischfisolen

Aus allen Poren züngeln weiße Schlangen
Mit Spritzen wird der Nervenschmerz kastriert
Und Wattewürmer zucken blutverschmiert
Geschwollen wie Balladen glühn die Wangen

Die Bohrtiraden tunneln Beißkarpaten
Am Wackelthron hockt strahlend Amalgam
Heulbojen ankern tief im Faulodram
Speimotten fliehn aus Rachenreservaten

Am Boden Schmelzgesindel Fleischfisolen
In engen Höschen wandeln Zopfnomaden
Auf Hängebrücken Porzellanparaden
Gekrönte Häupter grinsen gleich Kreolen

Frankensteins Erben

Januar 16th, 2012

Wir leben in einer Zeit, die an allen Ecken und Enden krankt, was vielen Menschen so zu schaffen macht, daß sie nicht mehr wissen, was richtig und was falsch ist, und noch schlimmer, daß sie kein Gefühl mehr dafür haben, was für sie gut ist und was schlecht. So werden sie zur leichten Beute für die Einflüsterer, die ihnen über die Medien, aber auch über “Busch-und Maultrommeln” diese meist höchst persönlichen, privat intimen Entscheidungen abnehmen, nicht aus Gefälligkeit und schon gar nicht aus Hilfsbereitschaft, sondern einzig und allein aus wirtschaftlichen Eigen-oder von ihnen vertretenen Fremdinteressen.
Und die Einflüsterer schaffen es auch meistens, die, die sie manipulieren, glauben zu lassen, es sei tatsächlich ihre eigene Entscheidung, ihr freier Wille, der sie veranlaßt, einen “Schönheitschirurgen” aufzusuchen, um sich für viel Geld - um nur einen der häufigsten Wünsche zu nennen - Silikonsäcke in ihre Brüste hineinoperieren zu lassen, wobei im chauvinistisch - kapitalistischen Zwangssystem der Druck auf Frauen größer ist, sich einem von einer Clique perverser Modemacher, schwuler Designer und geldgeiler Ärzte postulierten und von den Medien transportierten Schönheitsideal zu unterwerfen.
Auf die psychologischen Folgen, die dieser Druck zum Puppen-Sein auslöst, soll an anderer Stelle näher eingegangen werden. Doch daß Selbsthaß bzw. der Haß auf den eigenen natürlichen Körper nicht aus dem Nichts den Betroffenen plötzlich anspringt, liegt auf der Hand.
Wie durch und durch krank und krankmachend die ganze Schönheitschirurgie ist, zeigt auch der Umstand, daß es immer häufiger junge und ganz junge Personen sind, die, noch nicht einmal zwanzig Jahre alt, Doktor Frankenstein aufsuchen, damit er ihren Körper deformieren kann, gegen saftige Entlohnung - dieser Aspekt sollte nie vergessen werden, geht es doch längst um eine riesige weltumspannende Industrie.
Inzwischen haben diese Deformationen ein Ausmaß angenommen, das selbst Frankenstein und Co ziemlich simpel dastehen läßt. Und die Liste der Ent-Stellungen wächst stetig.
Nach wie vor ganz oben auf der Liste stehen Brustvergrößerungen, die schon fast zur Norm geworden sind, also massenhaft getätigt werden, wie auch der Skandal um das minderwertige und krebserregende Silikon einer französischen Herstellerfirma belegt, bei dem Zahlen publiziert wurden.
Aber auch Designer-Vaginas, Vulva-Verkleinerungen, Brustwarzenversetzungen gibt´s inzwischen fast überall per Listenpreis. Seltener aber kein Scherz sind Beinverlängerungen. Dagegen wirkt ja das Brechen des Nasenbeins für eine “schönere Nase” fast schon harmlos, zumindest so lange, bis die Nase abgeht. Wer erinnert sich nicht an den Sänger Michael Jackson oder kennt nicht die Fotos des Schauspielers Mikey Rourke, um auch das männliche Geschlecht nicht zu vergessen.
Auch wenn ich grundsätzlich gegen Verbote aller Art eingestellt bin, die Plastische Chirurgie sollte dort, wo sie tatsächlich hilft, bei z.B. unfallbedingt schwer beschädigten Körpern, wo keine Heilung mehr möglich ist,   angewendet werden, aber gesunde Körper mithilfe der Chirurgie zu entstellen, zu deformieren, sollte meines Erachtens per Gesetz untersagt sein.

Doktor Frankenstein und Co sollten der Traumfabrik Hollywood und seinen “Stepford-Frauen” vorbehalten bleiben und nicht länger in der Realität ihr perverses Unwesen treiben dürfen.

Von unten (T)

Januar 15th, 2012

Im Staub der Straße
Auf dem Rücken liegend die
Augen zum Himmel
Gerichtet seh ich das Blau
Endlos und ohne Antwort

Die rote Fahne

Januar 10th, 2012

Steine knirschen höhnisch unter meinen Füßen,
Doch dann schluckt ein dichter Nebel jeden Laut,
Während die Gedanken stets nach Süden fließen,
Warten Krokodile, bis der Morgen taut,

In den seichten Ufersümpfen, ihre Blicke
Zielen auf mich durch das graue Dämmerlicht.
Doch es ist der Tag, sein Antlitz spiegelt Tücke,
Der das ferne Echo an den Schläfen bricht.

Träume enden nicht, sie laufen weiter,
Da ein dünner Mond in schwarzen Flammen steht,
Und von Osten kommen auf Kamelen Reiter
Mit dem Wind, in dem die rote Fahne weht.

Dichteraufruf

Januar 8th, 2012

Mensch gebt ihren
Krücken endlich
Einen festen
Tritt schraubt ab die
Hirnprothesen
Und reißt ihnen
Die Sauerstoff
Masken vom Mund
Die Schläuche die
Ihren feisten
Leib mit Lobsang
Blähen durchtrennt
Mit der Schere
Oder einem
Schnappmesser all
Die Mumien
Deren Gestank
Zu lang schon die
Nasen umweht
Kippt schneller auf
Müllhalden schreibt
Falls es gefällt
Einen Nachruf
Auf die Pickel
Am After der
Poesie schreibt
Briefe für die
Nachgeburten
Schreibt jetzt oder
Laßt es bleiben

Haiku

Januar 5th, 2012

Schnee auf den Dächern
Matsch auf den Straßen Scheiße
In den Gehirnen.

Genozid und Gedankenfreiheit

Dezember 30th, 2011

Das französische Parlament beschließt ein Gesetz, das das Leugnen des Genozids an den Armeniern im 1. Weltkrieg unter Strafe stellt und folgt damit dem Beispiel Belgiens, das zuvor schon ein ähnliches Gesetz beschlossen hat.
Die türkische Regierung ist darob erzürnt und zieht, neben anderen Maßnahmen, den Botschafter aus Paris ab. Das ist nicht verwunderlich, denn in der Türkei ist es genau umgekehrt, dort ist die Tatsache dieses Völkermords eine böswillige Verleumdung, deren öffentliche Behauptung direkt ins Gefängnis führen kann.
Mutiger wäre es allerdings gewesen, wenn die französischen Abgeordneten auch den Genozid an den nordamerikanischen Ureinwohnern durch die damalige US-Regierung oder die Ausrottung der Inka durch spanische Mörderbanden, die mit Gottes Segen und im Namen des spanischen Königs agierten, als solche klassifiziert und deren Leugnung genauso unter Strafe gestellt hätten.
Aber noch besser wäre es gewesen, solch ein Gesetz, das sich immer gegen die freie Meinung richtet, erst gar nicht zu beschließen.
Nicht ein einziger Rassist, Revisionist oder Geschichtsfälscher wird durch solch ein Gesetz bekehrt werden, wie hierzulande die Nutzlosigkeit der Wiederbetätigungsgesetze zeigt.
Und für vernunftbegabte Wesen bedarf es ebensowenig dieser Gesetze, um den Völkermord in der Liste der historischen Verbrechen ganz vorne zu platzieren.
Das Problem, das dieses Gesetz aufwirft, ist aber nicht nur die Einengung der Meinungsfreiheit, die im Namen der Sicherheit bzw. zur Abwehr von Terror im letzten Jahrzehnt ohnedies in einem Maße ausgehöhlt wurde, daß es sie genaugenommen nicht mehr gibt, sondern der Umstand, daß es keine objektive historische Wahrheit gibt. Geschichte ist, wie der Name schon sagt, der Versuch, die Vergangenheit zu erzählen, zu deuten, zu verstehen.
Doch es gibt nicht nur eine Geschichte, sondern eine Vielzahl sich oft widersprechender Geschichten, die unsere Vergangenheit zu erklären versuchen.
So gibt es eine Geschichte der Sieger, eine der Verlierer, eine der Machthaber, eine der Massen, eine der Individuen u.v.m. Jede Änderung des Blickwinkels führt zu einer anderen Geschichte.
Gerade am Beispiel Terroristen - Freiheitskämpfer ist die Komplexizität der historischen Verhältnisse gut festzumachen. Sind doch für die Machthaber alle, die versuchen, sie von der Macht zu vertreiben, Terroristen, wohingegen sich jeder, der ein undemokratisches Regim bekämpft, als Freiheitskämpfer sieht, zu recht. Aber allein der israelisch - palästinensische Konflikt zeigt, wie schnell solche Positionen ins Wanken geraten können.
Das Recht der freien Meinung ist meines Erachtens das höchste demokratische Gut, das es zu wahren gilt. Eine offene Gesellschaft muß es nicht als Bedrohung empfinden, daß es auch Meinungen gibt, die nicht mit der allgemein verbindlichen übereinstimmen.
Damit will ich sagen, daß all die Gesetze, die im Namen der Sicherheit oder für ein “korrektes” Geschichtsbild die Meinungsfreiheit des Individuums einengen und beschränken, für die Demokratie viel gefährlicher sind, als irgendwelche Geschichtslügen und Lobpreisungen für Terroristen es je sein könnten.